Schon seit einigen Tagen läuft Grande Dame nicht mehr so richtig rund. Für mich lag die Ursache dafür auf der Hand. Der schlechte Benzin und die Höhe, wir bewegen uns praktisch ständige über 3000m, machen ihr zu schaffen. Zusätzlich dürften auch noch die Vergaser verschmutzt sein. Also suchen wir uns in Skardu, bevor wir uns auf den Weg über den Deosai Nationalpark zum Nanga Parbat machen, einen Mechaniker unseres Vertrauens und lassen ihn die Vergaser reinigen. Und siehe da, die Düsen sind ziemlich verdreckt und nach diesem kleinen Eingriff läuft unser Motorrad wieder bedeutend besser.

Der Weg zum „Schicksalsberg der Deutschen“ führt uns hinauf auf über 4000 Meter auf das Deosai Plateau. Diese Hochebene ist nach Tibet anscheinend die zweithöchste unseres Planeten. Sei‘s wie‘s sei, auf jeden Fall müssen wir auf dem Weg hinauf und auch auf dem Plateau selbst zahlreiche, zum Teil ganz schön tiefe Furten durchqueren.

Und auf einmal, auf dem Weg zur letzten 4200m hohen Passhöhe ist die Leistung von Grande Dame komplett weg! Es gilt nur noch ca. 50 Höhenmeter zu erklimmen. Aber keine Chance, sie will nicht mehr! Mit laufendem Motor und schleifender Kupplung schieben wir das schwer beladene Motorrad irgendwie auf den Pass. Nicht nur Grande Dame ist am Ende, auch unsere Lungen brennen, gefühlt alle 20 Meter legen wir eine Pause ein um in der dünnen Luft wieder zu Atem zu kommen.

Es sind noch über 70 km bis zur nächsten etwas größeren Ortschaft. Gott sei Dank gehts mehr oder weniger immer bergab, schlängelt sich die Straße im wesentlichen entlang des Flusses. Der Ort Astore liegt dann allerdings wieder etwas oberhalb des Talbodens und so müssen wir noch einmal zittern.

Es geht sich aus. Wir schaffen auch noch die letzte kleine Steigung, finden am Ortsende eine Unterkunft und dann nimmt alles wie von selbst seinen Lauf. Ein Mechaniker ist schnell organisiert, nur wenige Meter weiter hat er seine „Werkstatt“, ein kleiner Schuppen in dem an der Wand nur ein paar Schlüssel hängen. Die Fehlersuche wird für die Männer des Ortes zum Ereignis des Tages.

Nach ein paar Fehlversuchen, ich musste immer wieder eine Testfahrt machen, war die Ursache entdeckt. Ein kleines Loch im Kabel zum Kerzenschuh!!! Wir sind also scheinbar die letzten mindestens 70 Kilometer mit nur einem Zylinder gefahren!!!

Ein paar Tropfen Silikon, ein bißchen Isolierband und der Fehler ist behoben!!! Grande Dame läuft wieder!!! Wir sind wieder im Spiel …..

Den Ausgangspunkt für unseren Abstecher zum Basislager des Nanga Parbat erreichen wir am nächsten Tag. Wir parken Grande Dame im „Shangri La“ Hotel direkt am Indus, von dort geht’s nur noch per Jeep weiter. 1 1/2 Stunden, 12 Kilometer, unglaublich ausgesetzt, eine Piste teilweise wie ein Wespennest in den Berg hineingeklebt. Danach noch ungefähr 10 Kilometer zu Fuß bis zum Behal Camp, in dem wir in einer einfachen Hütte die Nacht verbringen.

In der Nacht klart es auf und als wir uns um 5 Uhr in der Früh auf den Weg machen, befinden wir uns inmitten einer unglaublichen Kulisse. Der Nanga Parbat erweist uns die Ehre und zeigt sich in seiner vollen Pracht!!!

Eine der vielen Wasserstellen auf der Deosai Hochebene – Hier ist die Welt noch in Ordnung!
Diesmal waren wir die Glücksengel. Bei dieser Reifenpanne leistet unser Kompressor wieder einmal gute Dienste.
einfaches Bergdorf auf dem Weg hinunter von der Deosai Hochebene nach Astore
Unser Retter in der Not und wir kennen nicht einmal seinen Namen.
Das halbe Dorf hilft bei der Fehlersuche.
Der Koch vom einzigen „Restaurant“ in Astore
Sheralam, unser Fahrer und sein uralter Jeep, in Ihre Hände legten wir auf der Berg- und Talfahrt für jeweils 12 Kilometer unser Schicksal.
12 Kilometer hinauf in Richtung Nanga Parbat, so etwas hab ich noch nicht erlebt. Diese Strecke würde ich selbst mit dem Motorrad nicht mehr fahren!!!
Abendstimmung im Behal Camp
Der Nanga Parbat umschmeichelt von den ersten Sonnenstrahlen.
Nanga Parbat
Das Basislager vom Nanga Parbat – am frühen Vormittag sind wir hier noch komplett allein.
Geschafft!!! – Hundsmüde, aber glücklich wieder im Industal angekommen zu sein.

für alle die uns weiterhin folgen wollen – ganz unten gibt’s die Möglichkeit eine email bekannt zu geben – dann bekommt ihr automatisch eine Nachricht wenn’s was neues gib

This Post Has 7 Comments

  1. Rossmann Werner

    Wünsche euch eine schöne Zeit und alles Gute. Kommt wieder gesund nach Hause. Liebe Grüße Werner

  2. Toni Lostuzzo

    Hallo liebe Gerti und lieber Reini, Großartig eure Reise! Ich bewundere eure Abenteuerlust und mit dem Mut,wie ihr diese Reise bewältigt! Respekt! Ich freue mich schon auf euren nächsten Dia-Vortrag! Alles Gute noch für eure weitere Reise!
    Liebe Grüße Toni

  3. Christine Finster

    Ein Wahnsinn ?eure interessante Reise!
    Weiterhin gute Fahrt ?

  4. Dagmar

    Einfach unglaublich, wunderschöne Fotos und ihr so stark wie Grand Dame, Bravo!!!

  5. Rudi Kainz

    Gewaltig einfach nur Beeindruckend wie Gross und vielfältig usere Erde ist. Viel spass noch Euch beiden und weiterhin eine Unfallfreie Reise!

  6. Gerhard Kainz

    Na Bravo das war wieder mal 150% Körpereinsatz
    Gratulation
    Hoffe der Stundensatz in der Werkstatt war geringer
    als bei uns ?man konnte ja nicht wirklich erkennen wer der Meister und wer der zu Ausbildende war ??
    Noch schöne Abenteuerliche Reise
    Lg Gerhard

  7. Michi GAisbauer

    Diese Gesichter, sehr beeindruckend

    Schön das Ihr immer eine Hilfe zur rechten Zeit bekommen habt.

    lG Mi

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